Wasser gerät als begrenzte Ressource in ausgewählten Regionen Deutschlands zunehmend unter Druck. Ursachen dafür sind unter anderem Bevölkerungswachstum, industrielle Einflüsse und klimawandelbedingte Auswirkungen, wie z.B. erhöhter Bewässerungsbedarf in der Landwirtschaft, Dürren oder Überschwemmungen. Gleichzeitig belasten anthropogene Spurenstoffeinträge die verfügbaren Wasserressourcen. Um die klimawandelbedingte, nachhaltige Schädigung wassersensibler Ökosysteme vorzubeugen, kann ein aktives Gebietswassermanagement ein geeignetes Steuerungsinstrument darstellen.
Die zur praktischen Implementierung unabdingbaren wasserrechtlichen Bewilligungsverfahren sind allerdings vielerorts meist sehr langwierig und kostenintensiv. Ein Grund hierfür sind einerseits unklare Stakeholderpositionen zu Beginn des Verfahrens, die sich im Verfahren zeitverzögernd auf die Vervollständigung der prüffähigen Unterlagen auswirken. Andererseits erschwert eine auf Basis subjektiver Interessen geprägte Teilbetrachtung der Maßnahmenwirkungen einen objektiven Entscheidungsfindungsprozess.
An diesem Punkt knüpft das Projekt „ÖkoWasEng“ („Ökologisch orientiertes Wasserressourcenmanagement in Engpassregionen akzeptanzorientiert gestalten“) an. Das Projekt zielt darauf ab, einen anwenderorientierten, auf andere Gebiete übertragbaren Leitfaden zur Vorbereitung eines konsensorientierten wasserrechtlichen Bewilligungsverfahrens zu erarbeiten. Dies geschieht unter Einbezug von Ökosystemleistungen, insbesondere für modellhafte Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung und zur Sicherung der Trinkwasserversorgung.
Zur Umsetzung dieses Projektes haben sich drei starke Partner zusammengeschlossen: die Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz GmbH (wvr) ist als Praxispartner maßgeblich an der Umsetzung des Projektes in der Fallstudie beteiligt, während die Einheit für Technologie und Innovationsmanagement (TIM) des Deutscher Verein des Gas- und Wasserfachs e. V. (DVGW) ihr Wissen im Bereich Stakeholdermanagement einbringt. Das IWW Institut für Wasserforschung gemeinnützige GmbH (IWW) leitet das Verbundprojekt und bringt seine Expertise in der Bewertung von Ökosystemleistungen für verschiedene Gebietswassermanagementszenarien ein. Gemeinsam entwickeln und validieren die Partner die Methoden zur Stakeholder-Integration, Ökosystemleistungsbewertung und Vorbereitung eines konsensorientierten wasserrechtlichen Bewilligungsverfahrens.
Die Methodenentwicklung und -validierung erfolgt anhand einer Fallstudie im Untersuchungsgebiet der Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz GmbH (wvr), welches in einer der trockensten und klimawandelsensitivsten Regionen Deutschlands liegt. Die steigenden Trinkwasserbedarfe können über die eingeschränkten Grundwasservorkommen in der Region nicht nachhaltig gedeckt werden. Aus diesem Grund plant die wvr eine weitere, redundante Uferfiltratgalerie nördlich einer bereits bestehenden Anlage. Das Areal der geplanten Anlage liegt in der Rheinaue und umfasst ein Natura 2000-Gebiet, welches zum Schutz der Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten dient. Zur Stützung des Wasserhaushalts wird im Einklang mit der geplanten Brunnengalerie ein Aquifer Storage Transfer and Recovery System vorgesehen, welches gleichzeitig Kernelement des angestrebten Gebietswassermanagements ist.
Das Projekt läuft von 2026 bis 2028 und wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Mit seinen Ergebnissen liefert das Projekt einen wichtigen Beitrag zur konsensfähigen Gestaltung von Gebietswassermanagementmaßnahmen und somit zur nachhaltigen Gestaltung der Trinkwasserversorgung in Engpassregionen.

