Das vom Bundeministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz, und nukleare Sicherheit geförderte Projekt beschäftigt sich mit der Identifizierung von Wasserressourcen in Kombination mit Agrivoltaik für dezentrale Anwendungen von grünem Wasserstoff in Jordanien. Jordanien gehört zu den wasserärmsten Ländern der Welt und steht gleichzeitig vor der Herausforderung, seine Energieversorgung klimaneutral und krisenfest aufzustellen. Hier setzt das Projekt WRAP-GH2 an: Im Rahmen einer zweijährigen Machbarkeitsstudie untersucht das Konsortium, wie die Erzeugung von grünem Wasserstoff (H2) in ariden Gebieten gelingen kann, ohne kostbare Frischwasserressourcen zu verbrauchen. Dabei liegt der innovative Kern des Projekts in der Kopplung dreier Subsysteme:
- der Nutzung von alternativen Wasserressourcen wie beispielsweise Abwasser,
- dem Einsatz von Agrivoltaik-Anlagen (AV) zur klimaschonenden Stromerzeugung und
- die Erzeugung und Nutzung von grünem H2 mittels dezentraler Wasserstofftechnologien.
In einem Erklärvideo, das im Rahmen der initialen Projektphase erstellt wurde, erklärt das Projektteam, wie diese innovative Systemkopplung ineinandergreifen kann. Da der Austausch mit Stakeholdern vor Ort für das Projekt von großer Bedeutung ist, dient das Erklärvideo auch als strategisches Werkzeug, um die komplexe Thematik näher zu bringen. Der Link zum Video findet sich hier: Youtube-Video.
Wichtige Wegmarken im ersten Projektjahr waren:
- PESTEL-Analyse: Zur systematischen Bewertung potenzieller Anwendungsfälle nach politischen, wirtschaftlichen, sozialen, technologischen, ökologischen und rechtlichen Kriterien (PESTEL) wurde zunächst ein umfassendes Excel-basiertes Analyseraster entwickelt und es wurden fünf potenzielle Standorte in Jordanien hinsichtlich der Umsetzung des betrachteten Gesamtsystems untersucht wurden;
- GIS-Analysen: Für die Entwicklung der Anwendungsfälle wurden im Vorfeld zwei umfassende GIS-Projekte aufgesetzt zur Identifikation geeigneter Standorte hinsichtlich der Verfügbarkeit alternativer Wasserressourcen und Potentialflächen für AV.
In diesem Zusammenhang wurde der Campus der Jordan University of Science and Technology (JUST) als vielversprechender Standort für die Umsetzung des Systems identifiziert. Auf dem Campusgelände wird ein Klärwerk betrieben. In unmittelbarer Umgebung erfolgt zudem der Anbau von Oliven, wodurch sich für die verschiedenen Subsysteme wichtige Voraussetzungen ergeben. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Vertreter*innen der JUST und dem Wuppertal Institut mündete in einem Memorandum of Understanding (MoU), das Ende 2025 unterzeichnet wurde. Das MoU bildet den Grundstein für den reibungslosen Daten- und Informationsaustausch zwischen den beiden Kooperationspartnern.
Der Austausch mit der JUST dient einer genauen Analyse der Machbarkeit des Gesamtsystems, die im Laufe des Jahres 2026 mit jordanischen und deutschen Stakeholdern diskutiert werden soll. Im Zentrum der Diskussion steht dabei auch das Thema Akzeptanz. Zunächst sollen dafür bilaterale Expert*inneninterviews genutzt werden, darüber hinaus ist auch ein Workshop geplant. Die Projektbeteiligten beobachten derzeit die geopolitische Lage in der Region und passen das Umsetzungsformat entsprechend an.
Darüber hinaus trägt das WRAP-GH2-Projektteam die gewonnenen Erkenntnisse aktiv in das Wissenschaftssystem hinein:
- Akademischer Nachwuchs: Zwei Promotionsvorhaben am Wuppertal Institut sind mit dem Projekt verknüpft. Dabei wird eine Innovationssystemanalyse zur Abwasserwiederverwendung für die grüne H2-Erzeugung an der Leuphana Universität Lüneburg umgesetzt. Daneben wird zu Agrivoltaik-Innovationen an der Universität Hohenheim in Stuttgart geforscht.
- Dissemination: Für das Jahr 2026 sind bereits ein wissenschaftlicher Fachartikel sowie ein weiterer Konferenzbeitrag fest eingeplant, um den langfristigen Wissenstransfer abzusichern.

